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Versorgungsmodell Ehemann

Ergänzend zu meinen Blogeinträgen „Drei typische Gründe…“ möchte ich einen aktuellen Zeitungsartikel veröffentlichen, der das Thema „Frauen und ihr Umgang mit ihrer finanziellen Vorsorge“ sehr anschaulich darstellt:

Berliner Zeitung, Nr. 190, geschrieben von Sebastian Wolff, veröffentlicht am 17.8.2015, auf Seite 8:

Versorgungsmodell Ehemann

VON SEBASTIAN WOLFF

Viele Frauen sind in Gelddingen völlig abhängig von ihrem Partner. Das kann fatale Folgen haben

Wenn Frauen lieben, heißt es, tun sie das bedingungslos. So konsequent romantisch diese Haltung ist, in finanzieller Hinsicht kann sie im schlimmsten Fall zur Mittellosigkeit führen. Denn wer in Gelddingen zu sehr seinem Partner vertraut, der erlebt bisweilen eine böse Überraschung, wenn die Beziehung auf einmal zerbricht und beide getrennte Wege gehen.

Leider begeben sich immer noch sehr viele Frauen in völlige finanzielle Abhängigkeit von ihrem Partner. Und das gilt auch bei der Altersvorsorge: Jede vierte in einer festen Partnerschaft lebende Frau rechnet hier mit Geld aus den Rücklagen ihres Partners. Und jede Fünfte wünscht sich einen Lebensgefährten, der deutlich mehr verdient als sie selbst, damit es ihr im Alter finanziell an nichts fehlt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Postbank. Verheiratete besonders gefährdet: Experten warnen dringend vor so viel Leichtsinn. Denn sollte sich das Paar später trennen, steht die Frau häufig nicht nur emotional, sondern auch finanziell vor einem Trümmerhaufen. Männer handeln in dieser Hinsicht übrigens offenbar vernünftiger: Von ihnen vertrauen nur halb so viele auf die finanziellen Rücklagen ihrer Partnerin.

Doch zurück zu den Frauen: Unter ihnen sind es vor allem Verheiratete, die mit den Ersparnissen ihres Ehepartners liebäugeln . Während 92 Prozent der ledigen Frauen selbst vorsorgen, tun das nur 70 Prozent der verheirateten. „Angesichts von Berechnungen der OECD überrascht es, dass so viele Frauen die Verantwortung für ihre Altersvorsorge aus der Hand geben“, schreibt die Postbank. Demnach erhalten Frauen in Deutschland im Schnitt nur halb so viel Rente wie Männer. Jede zehnte Rentnerin zwischen 66 und 75 Jahren lebt in Armut, von den über 76-Jährigen ist es sogar jede siebte. Im Vergleich dazu sind mit sechs Prozent nur etwa halb so viele Männer von Altersarmut betroffen. Eigene Rücklagen bilden:

Auch in Finanzen kompetent
Auch in Finanzen kompetent

Frauen brauchen Versorgungsmodell Ehemann nicht

Die Autoren der Studie brechen jedoch auch eine Lanze für die Frauen. Dem weiblichen Geschlecht lediglich Bequemlichkeit zu unterstellen, wäre zu einseitig, räumen sie ein. Denn Frauen verdienen im Durchschnitt noch immer deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen und sind in schlechter bezahlten Berufen beschäftigt. Sie nehmen häufiger und länger berufliche Auszeiten für ihre Familie oder arbeiten phasenweise in Teilzeit. „Trotz oder besser wegen dieser Benachteiligungen und Lücken im Erwerbsleben müssen Frauen die Rücklagen für ihr Alter selbst bilden“, sagt Katharina Freudenhammer von der Postbank. „Das Versorgungsmodell Ehemann ist nicht mehr zeitgemäß“. Denn die Scheidungsrate steige und Beziehungen würden immer häufiger zu Lebensabschnittspartnerschaften degradiert.

Doch wie soll Frau eine eigene Absicherung für das Alter aufbauen, wenn sie nur wenig verdient? Postbank-Expertin Freudenhammer spricht den Betroffenen Mut zu: „Auch mit einem niedrigeren Einkommen kann im Laufe der Jahre ein finanzielles Polster aufgebaut werden“, betont sie. Es gelte: Je früher Frauen damit begännen, Geld zurückzulegen, desto mehr könnten sie mit kleineren Sparbeiträgen erreichen, da Zins und Zinseszins für die Anlegerin arbeiten. „Es lohnt sich, kleine monatliche Sparbeträge zu leisten und größere Summen, zum Beispiel Teile vom Weihnachtsgeld, zuzuzahlen“, rät Freudenhammer. „In jedem Fall sollten staatliche Förderungen genutzt werden. Etwa indem bereits mit dem Ausbildungsvertrag vermögenswirksame Leistungen abgeschlossen werden oder eine Riester-Rente, wenn Nachwuchs unterwegs ist“, empfiehlt Freudenhammer.

Wichtig sei, dass die Geldanlagen individuell ausgewählt würden, am besten mit Hilfe eines Finanzexperten – oder natürlich einer Expertin. Keine gemeinsamen Konten: Von gemeinsamen Konten, Bausparverträgen oder Versicherungen sollte man in einer Partnerschaft lieber die Finger lassen. Denn kommt es zur Trennung, werden diese in der Regel aufgelöst – und das ist mit einem großen Aufwand verbunden. Automatisch erlöschen die gemeinsamen Konten und Verträge im Fall der Scheidung nicht: „Entscheidend sind die zwischen der Bank und dem Paar getroffenen vertraglichen Vereinbarungen und diese müssen im Einzelnen betrachtet werden“, heißt es dazu beim Bundesverband deutscher Banken. Im Klartext: Gemeinschaftskonten und Kontovollmachten laufen so lange weiter, bis die Bank eine andere Weisung bekommt. Kontovollmachten können einseitig vom Kontoinhaber widerrufen werden.

Bei Gemeinschaftskonten kann die gemeinsame Verfügungsberechtigung nur in beiderseitigem Einverständnis aufgehoben werden. Noch komplizierter wird es, wenn es gemeinsame Lebensversicherungen oder Bausparverträge gibt. Die lassen sich nicht so ohne weiteres kündigen -jedenfalls nicht ohne deutliche finanzielle Einbußen. Laufen alle Verträge von Anfang an getrennt, wird solchen Problemen vorgebeugt.Vorsicht bei Bürgschaften: Haben die Partner beschlossen sich zu trennen, sollten sie sich zunächst einen Überblick über sämtliche vorhandene Konten, Versicherungen und Depots verschaffen und die Verträge prüfen – egal, ob es sich um Einzelverträge oder gemeinsame Verträge handelt, rät Freudenhammer. Geklärt werden muss auch, wer welche Vollmachten hat, wer wobei begünstigt ist und auch wer gegebenenfalls für den anderen bei einem Kredit bürgt. Nicht selten werden Frauen hier richtig übers Ohr gehauen: So hat schon mancher Ehemann seine Frau überredet, für einen hohen Kredit zu bürgen, sich dann mit seiner Geliebten aus dem Staub gemacht und die Ehefrau auf seinen Schulden sitzen lassen.

Tipps für den Fall der Trennung

Kontrolle:
Wer fürchtet vom Partner finanziell über den Tisch gezogen zu werden, sollte in der Trennungsphase bei gemeinsamen Konten die Kontobewegungen genau beobachten und möglichst die Kontoauszüge archivieren. Sollte ein Partner während der Trennungsphase höhere Summen abheben, kann das zum Beispiel bei der Frage nach dem Unterhalt berücksichtigt werden.

Verträge:
Ähnlich wie bei Konten ist die Situation bei Depots und Fondssparplänen: Auch hier sollten Bewegungen beobachtet werden. Bei Lebensversicherungen und Bausparverträgen kommt es darauf an, was beim Abschließen der Verträge schriftlich vereinbart wurde. Das gleiche gilt für Kredite: Bürgt einer für den anderen, muss er dies auch nach der Ehe weiter tun.

Ehevertrag:
Auch wenn sich getrennt lebende Eheleute wahrscheinlich wünschen, schnell einen Strich unter die gescheiterte Ehe zu ziehen, kommen sie in der Regel nicht darum herum, sich ausgiebig mit den finanziellen Folgen ihrer Trennung zu beschäftigen. Einfacher wird es für beide Partner, wenn alle Details bereits im Vorfeld in einem Ehevertrag geregelt wurden.

BERLINER-ZEITUNG.DE Weitere Artikel zum Thema Sparen, Anlegen, Kredite und Versicherungen unter: www.berliner-zeitung.de/meingeld

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