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Pflegeversicherung und Elternunterhalt

Wer von einem Pflegefall in der Familie betroffen ist, wird anders über das Thema Pflegeversicherung und Elternunterhalt denken als Nichtbetroffene. Der Großteil der Menschen unterschätzt noch die Gefahr, die ein pflegebedürftiges Elternteil bedeuten kann. Und mit pflegebedürftig meine ich nicht nur bettlägerig. Sobald das Elternteil Unterstützung im Alltag benötigt oder betreutes Wohnen dem alleine Wohnen vorzieht und die Kinder diese Unterstützung nicht erbringen können, wird das Elternteil zum Pflegefall.

Wenn das Elternteil mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten Unterstützung im Alltag benötigt, kann es seine Pflegebedürftigkeit auf Antrag feststellen lassen. Nach Antrag bei der Krankenkasse wird mittels Gutachter die Pflegestufe festgestellt. Die Pflegestufen I, II, und III richten sich nach dem Zeitaufwand der Pflege. Bei der Stufe III sind es mindestens 5 Stunden, die für die Pflege des Menschen erbracht werden. Für Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, wie z.B. Altersverwirrtheit, gibt es die Pflegestufe 0.

Entsprechend der jeweiligen Pflegestufen entstehen dafür Kosten, die das Elternteil von seiner Rente, seinen Rücklagen sowie aus den Zuschüssen der gesetzlichen Pflegeversicherung aus bestreiten muss. Die Eltern müssen ihr gesamtes Einkommen aus Rente und Pflegeversicherung sowie ihr Vermögen (Erträge wie Vermögensstamm) erst nutzen und aufbrauchen, um die Kosten zu decken. Reichen diese Gelder nicht aus, um z.B. einen Heimplatz, zu bezahlen, geht das Sozialamt in Vorkasse. Das vorausgelegte Geld versucht das Sozialamt von den Kindern desjenigen zurückzuholen. Entweder zum Teil oder ganz.

Die Eckpunkte für den Unterhaltsanspruch gegenüber weiteren Familienangehörige sind:

  • der Bedarf des Unterhaltsberechtigten,
  • seine aktuelle Bedürftigkeit, weil seine eigenen Einkünfte nicht ausreichen und
  • die Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen.

Und jetzt heißt es für die Kinder, dass sie ihre Vermögenswerte offen legen müssen. Sie müssen Angaben zu ihrem Einkommen, zu ihren Sparanlagen, ihrer Vorsorge, zu Immobilien oder zu weiterem Vermögen (z.B. Schmuck, Sammlungen) machen. Nach einem umständlichen Berechnungsverfahren wird die Leistungsfähigkeit der Kinder, wenn diese keine haben, auch der Enkelkinder, ermittelt. Nach Abzug eines Selbstbehaltes von 1.800 EUR (plus 1.440 für den Ehepartner) können die Kinder auch erhöhte Aufwendungen (z.B. Unterhaltsleistungen an die eigenen Kinder sowie andere Zahlungen) geltend machen.

Hier eine kurze Aufstellung, der Punkte, die bei der Berechnung berücksichtigt werden. Alle tatsächlich erzielten Einkünfte der Kinder werden zusammengerechnet, um zu ermitteln, ob sie Unterhalt für ihre Eltern leisten müssen:

Alle Einkünfte, die die Kinder erzielen:

  • Bei Arbeitnehmer ist der durchschnittliche Lohn von zwölf zusammenhängenden Monaten vor Eintritt des Unterhaltsbedarfs relevant.
  • Bei Selbstständigen sind es die durchschnittlichen Einkünfte der zurückliegenden drei bis fünf Jahre.

Folgende Kosten können von diesem ermittelten Nettoeinkommen abgezogen werden:

  • berufsbedingte Aufwendungen (zum Beispiel Fahrtkosten)
  • Kosten der allgemeinen Krankenvorsorge und krankheitsbedingte Aufwendungen
  • private Altersvorsorgekosten: fünf Prozent des gegenwärtigen Bruttoeinkommens mit einer jährlichen Verzinsung von 4%
  • Darlehensverbindlichkeiten, insbesondere Zins- und Tilgungszahlungen einer Baufinanzierung
  • Aufwendungen für regelmäßige Besuche des Elternteils

Folgende Aufwendungen können nicht berücksichtigt werden, da sie in dem Selbstbehalt mit enthalten sind:

  • Beiträge für Hausrats- und Haftpflichtversicherungen
  • Rundfunkgebühren
  • Miete und Mietnebenkosten in Höhe von 450 Euro (tatsächliche Kosten nachweisen, falls diese über 450 EUR liegen)

Außerdem abgezogen werden Unterhaltsverpflichtungen, die die Kinder gegenüber ihren Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern sowie eigenen Kindern haben. Denn diese Verpflichtungen haben Vorrang.

Die Kinder müssen von den bereinigten und um den Selbstbehalt gekürzten Nettoeinkommen die Hälfte an ihre Eltern zahlen.

Eigene Rücklagen für die Altersvorsorge bleiben auch unberücksichtigt soweit sie den Freibetrag nicht überschreiten. Der Freibetrag (oder Schonvermögen) errechnet sich aus dem gegenwärtigen Jahresbruttoeinkommen, davon 5% mit einer 4% jährlichen Verzinsung auf die bisherigen Berufsjahre bezogen.

Bsp: Bruttojahreseinkommen 40.000 EUR –> 5%: 2000 EUR -> 4% Verzinsung auf 20 Jahre = Schonvermögen von 62.000 EUR

Für wen lohnt sich eine Pflegeversicherung?

Bei der Pflegezusatzversicherung gibt es zwei Varianten: Zum einen das Pflegetagegeld, bei dem je nach Pflegestufe ein vereinbarter Tagessatz bezahlt wird. Hier ist der Vorteil, dass der Versicherte im Pflegefall entscheiden kann, wie er gepflegt werden möchte. Hingegen deckt die Pflegekostenversicherung die tatsächliche Kostenlücke. Hier muss man darauf achten, dass bei Vertragsabschluss einer Pflegezusatzversicherung selbst bei Pflegestufe 1 und 2 genug Geld gezahlt wird und auch Demenz mitabgesichert ist. Nur rund 20 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zur Pflegestufe 3 zugeordnet. Allerdings gibt es zum Abschluss einer Zusatzversicherung noch einige Punkte zu beachten. So kann je nach Vorerkrankung die Versicherungsgesellschaft den Vertragsschluss ablehnen. Im Standardfall müssen während der tatsächlichen Pflege die Beiträge weitergezahlt werden. Nur in Ausnahmenfällen darf die Beitragszahlung unterbrochen bzw. ausgesetzt werden und bei vorzeitiger Kündigung ist das Geld letztendlich weg.

Wer seine Kinder nicht finanziell durch die eigenen Pflegekosten belasten möchte, sollte eine private Pflegeversicherung abschließen. Auch hier gilt, gerade wegen der Ausschlussmöglichkeit, so früh wie möglich. Wer schon im Ruhestand ist, und darüber nachdenkt eine abzuschließen, sollte sich mit seinen Kindern über die Möglichkeiten informieren.

Wie teuer ein Heimplatz werden wird, können wir nur anhand aktueller Zahlen erahnen. Jetzt werden schon Preise von 1.500 EUR – 3.000 EUR aufgerufen. Im Bundesdurchschnitt sind es monatlich 3.000 EUR pro Heimpflegeplatz. Zum heutigen Zeitpunkt wird aus der Pflegeversicherung in der Stufe III 1.612 EUR gezahlt. Da bleibt ein Eigenanteil von 1.400 EUR über.

Dass die Pflegefälle immer mehr werden und das soziale System belasten, weiß jeder. Und jeder kann sich ausrechnen, wenn seine Rente um die 1.000 EUR beträgt (in Zukunft werden 75% der Rentner eine Rente von weniger als 1.000 EUR erhalten), dass der Staat diese Belastung nicht mehr alleine tragen, sondern immer stärker die Kinder zur Kasse bitten wird.

Dazu auch ein Video auf dem YouTube Kanal von Finanzen und Vorsorge.

Bücher zum Thema:

Soziale Pflegeversicherung; Vorschriften und Verordnungen; alle Leistungen bei Pflegebedürftigkeit. von Horst Marburger
Das Vorsorge-Set: Patientenverfügung, Testament, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht. Herausgegeben von Stiftung Warentest
Vererben und Erben. von Beate Backhaus

Weitere Informationen zum Thema „Unterhalt“ sind auf der Seite Familienrecht.net  zu finden.

Der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. hat auf dieser Seite Informationen zum Thema “Unterhalt: Wann müssen Geld und Naturalien geleistet werden?” veröffentlicht. Hier werden u.a. die folgenden Aspekte detailliert beleuchtet:

  • Elternunterhalt
  • Kindesunterhalt
  • Selbstbehalt
  • Trennungsunterhalt
  • Unterhaltsvorschuss uvm.

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Zum Weiterlesen:
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1 thought on “Pflegeversicherung und Elternunterhalt

  1. Sandra - 23. März 2016

    Hier einen aktuellen Beitrag von Business Insider. Auch wenn es in diesem Artikel um Erben und Schenken geht, gibt es auch einen wichtigen Hinweis was in Bezug auf Pflege beim Erben und Schenken zu beachten ist.

    Business Insider: „Erben oder Schenken – Wie ihr das Familienvermögen am besten verwaltet.

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