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ETF nicht ohne Risiko

Exchange Traded Fund (ETF) – ganz ohne Risiko?

Die börsennotieren Indexfonds (ETF) sind momentan en vogue. Fast jeder Finanzblogger oder jede Finanzseite schreibt über die Anlageform ETF und wie empfehlenswert ein Investment in ETFs ist.

Ein Exchange Traded Fund (ETF) vereint, auf den ersten Blick, die Vorteile zweier Anlageformen. Ähnlich wie Fonds erzielt er über die Streuung der Anlagen eine Risikoverteilung, ist aber wie eine Aktie jederzeit an der Börse, zu einem am Markt ermittelten Preis, handelbar. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sich ETFs wachsender Beliebtheit erfreuen. Worauf auch die Fondsgesellschaften und ETF Anbieter reagierten und entsprechend das Angebot an ETFs erweiterten.

ETFs sind gerade für Anfänger oder Investoren, die sich nicht viel um ihr Depot kümmern möchten, eine gute Anlageform. Sie können wählen auf welchem Markt, in welcher Branche oder in welche Anlageklassen sie investieren möchten. Dann sind im Gegenzug die Verwaltungskosten für einen ETF weitaus geringer als bei einem gemanagten Fonds, was sich positiv auf den Ertrag über die gesamte Laufzeit auswirkt. Es sind sehr transparente Produkte, da die Strategie nachvollziehbar ist – sie spiegeln ein zugrundeliegende Anlage oder einen Index zeitnah wieder.
Die allgemeinen Vor- und Nachteile sind bekannt und wie schon gesagt, überall nachlesbar.

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Durch die große Nachfrage nach ETF sind jetzt ETF-Produkte auf den Markt, wo der Laie nicht mehr das mögliche Risiko in dieser Anlageform sieht bzw. versteht. Es gibt jetzt auch gehebelte, inverse oder synthetische ETF.

Risiko synthetischer ETF

Ein ETF bildet nur einen Börsenindex nach. Diese physische Replizierung des unterliegenden Vermögenswertes (Underlying), ob vollständig oder teilweise, ist sehr umständlich und wird selten 1:1 repliziert. Synthetische ETF versuchen einen Index über Swaps zu replizieren. Da kann die Gefahr bestehen, dass der ETF vom Underlying abweicht. Weit weniger transparent und nachvollziehbar ist für einen Anleger, wenn ein ETF-Anbieter einen synthetischen ETF mit weniger hochwertigen, illiquideren Absicherungen hinterlegt, die nicht genau zu den zugrunde gelegten Anlagen passen. Wenn dann der Fall eintritt, dass der ETF gezwungen ist, die Vermögenswerte zu liquidieren, kann es leicht passieren, dass die Absicherungen auf einmal viel weniger wert sind. Während synthetische ETF sowohl in Europa als auch in Asien sehr beliebt sind, ist ihr Anteil in den Vereinigten Staaten erheblich geringer.

Gegenparteirisiko

Wenn, z.B. durch eine weltweite Finanzkrise, alle ETF-Anbieter ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, erhöht sich das Risiko für den einzelnen Anleger. Über 40% des in ETF angelegten Vermögens befindet sich in synthetische Produkte.

Hebel-Risiko

Immer mehr Anleger haben Gefallen an gehebelten und inversen ETF-Produkte gefunden. Bei diesen Produkten kann es erheblich zu Unterschieden in der Performance zwischen ETF und Index kommen, was die Volatilität erhöht, welches die Erträge auch wieder schmelzen lässt.

Aufgrund einer rechnerischen Besonderheit können sich inverse ETF-Produkte oder Short-ETFs jedoch als Risiko für alle Anleger erweisen, die diese Produkte für länger als nur ein paar Tage halten.

Dazu ein Beispiel. Am ersten Tag steht der Index bei 100 Punkten. Am nächsten Tag ist er auf 90 Indexpunkte, also um 10 Prozent gefallen. Der Short-ETF ist entsprechend auf 110 Punkte gestiegen. Am dritten Tag steigt der zugrunde liegende Index wieder auf 100 Punkte (10 Punkte oder 11,1 Prozent). Der Short-ETF verliert also 11,1 Prozent von seinem aktuellen Stand bei 110 Punkten. Der Kursrückgang des Short-ETF beträgt demnach 12,2 Punkte, mit dem Ergebnis von 97,8 Punkten. Obwohl der Aktienmarkt innerhalb dieser drei Tage letztendlich keine Veränderung hatte, haben Anleger mit diesem Short-ETF einen Verlust von 2,2 Punkten erlitten.

Systemrisiko

Wir wissen, dass ETF einen Index nachbildet und diesen blind folgt. Geht der Index nach oben, dann geht der ETF auch nach oben. Wenn der Index schwächelt, macht sich das beim ETF auch bemerkbar.
Ich sehe aber ein Risiko, welches das Finanzsystem oder die Weltwirtschaft im Ganzen betrifft.

Bei einem aktiv gemanagten Fonds gibt es einen Fondsmanager (plus Research-Team), welches entsprechend der jeweiligen Strategie in bestimmte Unternehmen, Märkte oder Klassen investiert. Fondsmanager gehören der Gruppe der Vielreisenden an, da sie bekanntlich die Unternehmen vor Ort besuchen. Sie reden mit den Managern, schauen in die Bücher sowie in die Fabrik/ ins Geschäft, unterhalten sich mit den Mitarbeitern oder der Lokalpolitik. Sie scannen das Unternehmen, den Markt, das Land sehr genau und erstellen meist ihre eigenen Scorings. Der Fondsmanager erhält eine umfassendere Einschätzung von dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern, seiner Führung, vom Ort und Land als es ein Index kann, der nach bestimmt Faktoren entscheidet, ob eine Aktie in den Index kommt oder wieder rausfliegt.

Der Fondsmanager investiert – je nach Strategie – in Unternehmen, die neues Geld für Wachstum benötigen, welches sie nicht nur über Kredite stemmen können und wollen, sondern es günstiger ist, Anteile zu verkaufen.

Gerade diese Arbeit eines Fondsmanagers ermöglicht in Krisenzeiten entgegenzusteuern, durch rechtzeitiges Verkaufen bzw. Kaufen. Abwärtsbewegungen von Indizes können abgeschwächt werden, Aufwärtsbewegungen fallen meistens schwächer als bei einem ETF aus. Da Aktien häufiger steigen als fallen, hat der Fondsmanager oft das Nachsehen. In der Summe schaffen es ca. 80 bis 90% der Fondsmanger nicht über mehrere Jahre den Vergleich-Index zu schlagen.

ETF sind beliebt. Bei den Kleinen wie den Großen. Es steht überall, dass jeder mit wenig Geld, Kosten und Risiko in einen ETF investieren, und somit an der Entwicklung der Börse teilhaben kann. Wir kennen auch die Geschichte, dass Joseph Kennedy, Börsenspekulant und Vater des legendären amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy seine Aktien 1929 verkaufte, nachdem sein Schuhputzer erzählte, er habe auch Aktien gekauft. Ganz nach dem Motto: „Wenn die breite Masse, das gemeine Volk, schon Aktien kauft, wer bleibt dann noch, um Aktien zu kaufen.“ Und somit sein Vermögen vor der Weltwirtschaftskrise rettete. Welche Signalwirkungen bleiben uns, wenn ETFs als eine so einfache und ultimative Geldanlage jedem und bei jedem Sparziel angeboten wird. In ETFs investieren große wie kleine Gelder und wie bei jedem Hype wird da auch eine Ernüchterung eintreten. Werden wir diese nach Kennedy rechtzeitig erkennen, wenn auch „dem kleinen Mann“ propagiert wird, legt euer Geld in ETFs an?

Ich bin gespannt, wie die Weltwirtschaft, die Unternehmenspolitik sowie die Entwicklung einzelner Märkte in den nächsten Jahren sein wird, wenn der Großteil des Geldes in indexgefolgten Produkten investiert wird und nicht mehr in aktiv gemanagte Fonds. Freue mich über Kommentare zu diesem Artikel.

Zum Weiterlesen:
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2 thoughts on “ETF – ganz ohne Risiko?

  1. K. - 1. März 2016

    Ein guter abwägender Artikel der grob einige Gefahrenstellen aufzeigt.

    Vielleicht gibt es in naher Zukunft einen „Run auf ETFs“ durch die breite Masse, vielleicht auch nicht.
    Aber bei aller Verunsicherung oder Misstrauchen in die Finanzindustrie gegenüber die nun viellleicht die breite Masse zu den passiven Anlagen wie ETFs treiben, werden sich viele durch geschicktes Verkaufen der „Berater oder Vermittler“ oder auch einfach nur durch reine menschliche Gier (Outperformance des Marktes), spätstens bei ersten großen „Crash“ bzw. einer Korrekturbewegung wieder entweder den aktiven zuwenden oder wie schon nach der Volks-T-Aktie geschehen aus dem Markt enttäuscht zurückziehen anstatt dabeizubleiben weil sie ggf. eine langrfristigkeit der Anlage inkl. Ups und Downs nicht verinnerlicht haben. Weil sie eine Empfehlung umsetzen anstatt eine eigene Investmentstrategie entwickelt zu haben (und verstanden zu haben) mit der sie persönlich Leben (Durchhalten) können und die auch „schwierige Marktphasen“ bewusst mit einkalkuliert. Ein weiteres Stichwort hierfür sind Emotionen.

    Man darf gespannt sein wie ETFs der breiten Masse ggf. auch falsch angepriesen werden, wenn manch andere Immobilien-Fonds vor einigen Jahren sogar als mündelsicher bezeichnet und beworben wurden und nun in der Abwicklung stehen….

    1. Sandra - 1. März 2016

      Ja, da sprechen Sie eine bekannte und immer wiederkehrende Bewegung an. Erst wenn etwas in aller Munde ist, sprich ein Hype, dann laufen die großen Massen mit, ohne nach rechts oder links zu schauen, ohne es zu verstehen. Hauptsache man ist dabei… Wenn dann das erste Gewitter kommt, rennen sie in Panik in die andere Richtung und sind erst einmal geheilt davon… Der Schlachtruf dieser Jahre ist dann: „Mach das bloß nicht.“ Schade, dass dann nur wenige dieses Verhalten durchschauen und verstehen… Ich bin gespannt wie sich im Informationszeitalter der Mensch weiter entwickeln wird… Und wie gesagt, die Entwickung der ETFs bleibt auch spannend.

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