Börse

Aktien und Aktien-ETFs

Zahlreiche Menschen sehen Aktien lediglich als Spekulationspapier. Dabei bedeutet der Erwerb von Aktien nichts anderes als die Beteiligung am weltweiten Produktivkapital, welches maßgeblich die Voraussetzung für unseren Wohlstand ist. Denn mit den Anteilsscheinen investiert ein Aktionär in reale Vermögenswerte des jeweiligen Unternehmens. Mit dem Erwerb von Aktien ist ein Anleger Eigentümer eines Bruchteils dieses Unternehmens, also gehören dir dann ein – zugegeben sehr kleiner – Teil der Maschinen, Fahrzeuge, Grundstücke, Immobilien oder Know-how.

Besonders in Deutschland ist das Phänomen zu beobachten, dass zwar viele Leute

  • gerne einen BMW, Daimler oder VW fahren
  • Smartphones und Tablets von Apple oder Samsung nutzen
  • an ihrem Arbeitsplatz täglich mit der Software von Microsoft arbeiten
  • den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln, Reinigungsmittel und Gesundheitsprodukten mit Gütern
    von Nestlé, Johnson&Johnson, Bayer, Beiersdorf, Unilever, Procter&Gamble oder
    ReckittBenckiser abdecken
  • fast jeder irgendwo ein elektrisches Gerät von Siemens im Haushalt hat
  • aber nur die wenigsten Menschen Aktien von diesen Weltkonzernen besitzen.

    Fast 80% des Vermögens deutscher Bürger wurde in Versicherungen (meist Kapital-Lebensversicherungen) oder als Bankeinlagen angelegt oder steht als Bargeld zur Verfügung. Der Aktienanteil (Aktien und Aktienfonds) beträgt lediglich 9%.
    Ausgewogenes Portfolio

    Nimmt man noch einen gewissen Anteil von Investmentzertifikaten hinzu, von denen ein Teil Aktien als Basiswert haben sollte, gelangt man auf einen Aktienanteil von etwas über 10%.

    Wenn in die Vermögens-Verteilung nun noch der Immobiliensektor hinzugezogen wird, ist lediglich rund 5 bis 6% des Vermögens aller deutschen Privathaushalte in Aktien investiert.

    Anders als zum Beispiel in den USA ist die Aktienkultur in Deutschland relativ wenig entwickelt. Gerade in der bereits seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase der Eurozone, verschenken viele Bürger in Deutschland mit dieser Aktienverweigerungsmethodik bares Geld.


    Lars Hattwig Experte für Dividenden-ETFs und Markos Wunram Experte für Dividenden-Aktien unterhalten sich über die aktuellen Themen Negativzins, Vermögensaufbau, ETF Sparplan, Aktien Sparplan, Früher in Rente gehen und den Online Kurs „Aktien Akademie“.

    Ein Grund mag die Schwankungsfreudigkeit von Aktien sein, vor denen viele Menschen Angst haben. Das mag kurzfristig richtig sein, aber längerfristig beträgt die mittlere jährliche Rendite am Aktienmarkt etwa 8,0%.

    Wichtig ist dabei zu wissen, dass jedoch zwischenzeitlich ein hoher Kursverlust in Krisenzeiten bei Aktien möglich ist, wie wir am Langfrist-Chart des Dow Jones gleich noch sehen werden. Historisch betrachtet wurde dieser Kursverlust immer wieder aufgeholt und er war nur von vorübergehender Dauer. Das bedeutet jedoch, der Wert von 8% wird nicht in jedem Jahr auftreten, sondern ist ein mittlerer Erwartungswert.

    dow-jones-entwicklungDow Jones Entwicklung

    Diese Abbildung zeigt eindrucksvoll, dass trotz zweier Weltkriege, dem kalte Krieg, zwei Weltwirtschaftskrisen, Hyperinflation in Deutschland, Terroranschläge und das Platzen der Dotcom-Blase der Aktienmarkt langfristig nach oben tendiert.

    Was ist das Ziel der Investition?

    Bevor du motiviert investieren möchtest, solltest du zuvor die Frage für dich klären, was eigentlich das Ziel der Investitionen ist? Es macht einen Unterschied, ob du Vermögen aufbauen oder lieber regelmäßigen Ertrag als passives Einkommen haben möchtest. Natürlich wäre am liebsten ein schneller Vermögensaufbau, mit einer hohen Dividendenrendite wünschenswert und jährlich sollte der Dividendenertrag im mindestens zweistelligen Prozentbereich ansteigen. Alles zusammen ist nicht möglich und deshalb müssen zum Beginn Prioritäten festgelegt werden.

    Langfristiges Vermögen baust du am besten mit global investierenden Aktien-ETFs auf. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der dafür konzipiert wurde über die Börse gehandelt zu werden. Konventionelle Fonds werden sonst häufig von der Fondsgesellschaft mit einem Ausgabeaufschlag vertrieben. Im Vergleich zu Fonds entfällt bei ETFs der Ausgabeaufschlag und es werden lediglich die an den Börsenplätzen gängigen Gebühren fällig.

    ETFs gehören zu den sogenannten „passiven“ Investmentfonds, die sich vor allem durch eine günstigere Gebührenstruktur auszeichnen als aktiv gemanagte Investmentfonds. So beträgt die jährliche Gebühr von ETFs meist deutlich weniger als 0,5%. Passiv bedeutet, dass die Auswahl der im Fonds befindlichen Wertpapiere nicht aufgrund von subjektiven Bewertungen des Fondsmanagers getroffen wird, sondern lediglich die Zusammensetzung eines bestimmten Index nachbildet, wie zum Beispiel den Deutschen Aktienindex DAX. Das in ETFs investierte Kapital ist ebenso Sondervermögen wie das der traditionellen Investmentfonds. Für Anleger daher wichtig: Bei einer Insolvenz des ETF-Emittenten ist das Kapital nicht verloren.

    Wer es ganz einfach haben möchte, greift einfach zu einem ETF, der den MSCI ACWI abbildet. Dieser ETF deckt den Aktienmarkt der großen und mittleren Unternehmen aus den Industrienationen und Schwellenländern.

    Denk bei einer Anlage in Aktien nicht in Wochen oder Monaten, sondern in vielen Jahren, am besten sogar in Jahrzehnten. Wenn Du das beherzigst, erweisen sich Aktien sogar als eine ziemlich sichere Geldanlage.

    Hohe Dividendenausschüttungen als regelmäßigen Ertrag

    Bis richtig nennenswertes Vermögen aufgebaut wurde, tun sich viele Menschen schwer für diese lange Zeit zu motivieren. Jemand mit einer Sparquote von 200 Euro monatlich muss schon gut zwei, besser drei Jahrzehnte warten bis er die Früchte seiner Arbeit auch wirklich spürt und einige hunderttausend Euro als sein Vermögen betrachten kann. Es gibt jedoch eine andere Betrachtungsweise, die deutlich früher motivierend ist.
    Dividendenausschüttung
    Wer von Anfang an ein hohes passives Einkommen erzielen möchte, setzt auf Investments mit einer hohen Dividendenrendite und einer hohen Zinszahlungen. Eine hohe Rendite steht grundsätzlich im Einklang mit einem hohen Risiko. So hat die Erfahrung gezeigt, dass Aktien mit sehr hoher Dividendenausschüttung recht bald ihre Dividende gekürzt oder gänzlich eingestellt haben.

    Als Privatanleger müsste man sich hier sehr viele Wertpapiere ins Depot holen, um einen gewissen Prozentanteil an Wertpapieren mit Totalverlust auszugleichen. Allerdings ist es bei mehr als 50 oder sogar 100 Aktien schwer den Überblick zu behalten. Aber dafür gibt es ebenfalls ETFs, die jeweils gleich hundert oder sogar mehrere hundert Wertpapiere im Portfolio haben.

    In der Ummantelung eines ETFs sind diese sogenannten High Yield – Investments weit weniger riskant als die einzelnen darin enthaltenen Aktien. Bei der hohen Anzahl von riskanten Einzel-Werten fällt es nicht so sehr ins Gewicht, wenn ein gewisser Prozentanteil keine Dividende mehr zahlen kann. Selbst einzelne Totalausfälle sind hier wegen der Masse besser zu verkraften. Zwar muss man sich als Anleger auf schwankende Erträge einstellen, aber der Totalverlust eines ETFs ist ziemlich gering. Insgesamt werden die Investments über mehrere Jahre hinweg ebenfalls eine gewisse Wertsteigerung vorweisen können. Jedoch ist das nicht das Hauptziel der Investitionen.

    In der Praxis gibt es das sogenannten High Yield/Dividend Depot, welches bereits seit mehreren Jahren mit einer Ausschüttungsrendite von 6,0 bis 6,5% hervorsticht. Mit solch einer Ertragsrendite erhältst du zum Beispiel mit 10.000 Euro Anlagegeld 35 Euro pro Monat an Dividendenzahlungen. Bei 100.000 Euro sind es bereits 350 Euro pro Monat. Das schöne dabei ist, diese Zahlungen sind ein wirklich passives Einkommen. Es fließt regelmäßig Geld und du musst dafür nichts weiter tun.

    Wenn du dir viel Zeit und Recherche ersparen möchtest, um solche ETFs mit einer hohen Ausschüttung zu finden, hilft dir schon eine Liste von über 60 ETFs weiter.

    Dividenden-Aristokraten

    Sogenannte Dividenden-Aristokraten weisen das Qualitätsmerkmal auf in jeder Marktlage ihre Dividendenzahlung jährlich kontinuierlich steigern zu können. Bei dieser Variante profitiert ein Anleger längerfristig von einem Dividendenwachstum, welches vergleichbar wie der Zinseszins funktioniert. Dieses im englischsprachigen Raum auch „Dividend Growth Investing“ genannte Verfahren erweist sich als langfristig sehr erfolgreich. Es gibt Unternehmen, die ihre Dividendenzahlung seit über 50 Jahren tatsächlich ohne Pause anheben konnten.

    Ein sehr gutes Qualitätsmerkmal sollte es jedoch bereits sein, wenn Unternehmen mindestens seit dem Jahr 2000 bis heute jedes Jahr einen höheren Ertrag an ihre Investoren ausgezahlt haben. Denn in diesem Zeitraum fand zum einen der Bärenmarkt nach der Internet-Übertreibungsphase (Dotcom-Blase) als auch die Finanz- und Eurokrise statt. Dort haben große Aktien-Indizes teilweise Kursverluste von 50% und mehr erlitten. Sich in solch einer Phase ohne Dividendenkürzung für Anleger behaupten zu können, bedeutet schon eine richtig solide Unternehmensleistung.

    Einzel-Aktien oder ETF?

    Oft möchten sich Anleger ein Depot aus Aktien mit solidem Dividendenwachstum einzeln zusammenstellen. Trotz der Qualität von Dividenden-Aristokraten kann es auch hier im Laufe der Jahre in Einzelfällen zu einem gewissen Schwund kommen. Daher bietet sich ein gewisser Grad an Diversifikation an. Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass für eine ausreichende Diversifikation mindestens 20 Einzel-Aktien aus verschiedenen Wirtschafts-Sektoren ausgewählt werden sollten. Allerdings bei mehr als 50 Aktien wird der Grad der Diversifikation verschwindend gering. Letztendlich bedeutet jede weitere Aktie über die Anzahl von 50 hinaus lediglich mehr Beobachtungsaufwand ohne einen nennenswerten Nutzen der Sicherheit oder Rendite für das eigene Depot.

    Qualitäts-Aktien mit konkreten Kauf- und Verkaufssignalen

    Dividenden-Aristokraten sind bereits eine sehr schöne Angelegenheit. Ein Freund von Einzel-Aktien bekommt hier bereits eine gute Portion Qualität. Noch einen Schritt weiter gehen wir jetzt hier, in dem eine solide Dividendenpolitik und ein erfolgsversprechendes Wachstum von Unternehmen lediglich eine von mehreren Komponenten ist. Wer wirklich ein gutes Unternehmen ausfindig machen möchte und zudem auch noch verstehen will, warum es erfolgreich ist, kommt nicht umhin sich mit den Geschäftsberichten von Firmen zu befassen.

    Freude

    Denn dort erfährt ein Anleger auf wie vielen Geschäftszweigen der Erfolg fußt oder in welchem Bereich Schwächen vorliegen. Zudem erkennt der interessierte Investor einen abschwächenden oder verstärkenden Trend über die letzten Jahre.

    Natürlich kann jemand Geschäftsberichte bis in sämtliche Tiefen lesen und Annahmen für die Zukunft treffen. Aber ein Anleger erfährt bereits eine ganze Menge über das Innenleben eines Unternehmens, wenn seine Fokussierung auf bestimmte Kennzahlen beschränkt bleibt. Diese quantitative Analyse versucht erst gar nicht eine Vorhersage für das Unternehmen zu treffen. Sie sucht nach Kennzahlen, die die Qualität von Unternehmen im aktuellen Zeitraum und von Zeiträumen bestimmt, die in der jüngsten Vergangenheit lagen. Der Vorteil liegt darin, die Fakten mittels Kennzahlen zu quantifizieren und diese deshalb auch schnell bestimmt werden können. Solange eine ausreichende Anzahl von Kenngrößen bestimmte Qualitätsgrenzen überschreiten, wurde im Unternehmen erfolgreich gearbeitet und es ist im Standardfall davon auszugehen, dass dies vorläufig weiter so sein wird.

    Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass auf diese Weise auch Ausstiegssignale generiert werden.

    Wenn du statt ETFs lieber Einzel-Aktien in deinem Depot haben möchtest, empfehlen wir dir dich auf Qualitäts-Aktien zu konzentrieren. Dadurch hast du bereits einen Weg eingeschlagen, um unnötige Fehler und damit Geldverluste zu vermeiden. Mehr Informationen über Qualitäts-Aktien erfährst du auf der Seite der Profitablen Unternehmen. Dort findest du auch eine Rangliste der derzeit Top 125 Aktien.