Ist die Steuerbelastung von ausländischen Aktien, Fonds und ETFs ein Renditekiller?

Pauschal betrachtet kann diese Frage mit Ja beantwortet werden. Denn jeder weitere Besteuerung beeinflusst neben den Gebühren und der inländischen Steuer die Netto-Rendite der Anlage.

Die Möglichkeiten der Investitionen werden nur viel geringer, wenn Anlageprodukte, die einer Quellensteuer unterliegen, ausgeschlossen werden.

Im Detail ist eine ausländische Quellensteuer nicht immer ein Renditekiller. Auf jeden Fall ist sie ein bürokratischer Aufwand.

Ausländische Quellensteuer

Wenn du ausländische Aktien oder Fonds besitzt, von einem Land, in dem eine Quellensteuer erhoben wird, unterliegen deine Divididendenausschüttungen und Gewinne der ausländischen Steuer.

Da diese ausländische Quellensteuer sofort von den Bruttoerträgen abgezogen wird, erfolgt auf den ausgezahlten Teil noch die inländische Besteuerung, nämlich die Abgeltungssteuer in Höhe von 25%. Um diese Doppelbesteuerung zu vermeiden, hat Deutschland mit mehreren Dutzend Staaten ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) getroffen, wonach 15% der Quellensteuer anrechenbar sind.

Liegt die Quellensteuer zwischen 1-15%, erfolgt die Anrechnung auf die deutsche Besteuerung beim Bankinstitut, wenn der Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist oder bei der Steuererklärung.

Bei einer ausländischen Quellenbesteuerung über 15% kann der Anleger sich das Geld vom Staat, der die Quellenbesteuerung vornimmt, wieder holen. Das ist ein langwieriger und bürokratischer Aufwand, den viele scheuen. Dadurch fällt die Rendite geringer aus.

Jährlich wird auf der Seite des Bundeszentralamtes für Steuern der jeweils gültige Status der ausländischen Quellensteuern aktualisiert.

Ausländisch thesaurierende Fonds

Bei einem Fond oder Exchange Traded Fund (ETF), in dem Aktien aus Ländern mit einer hohen Quellensteuer enthalten sind, übernimmt das Fondsmanagement diesen Aufwand. Dafür gibt es bei ETFs andere steuerrelevante Aspekte zu beachten. Zunächst einmal werden sämtliche Erträge, die über dem Sparerfreibetrag liegen, mit der gültigen Abgeltungssteuer besteuert.

Die Abgeltungssteuer gilt bei Gewinnen aus Veräußerungen von Fond/ETF, sofern dieser nach dem 31. Dezember 2008 gekauft wurde. Und sie gilt auch bei thesaurierende Fonds und ETFs. Das heißt, dass Ausschüttung wieder im Fond bzw. ETF angelegt werden.

Bei ETF-Anbietern, die ihren Hauptsitz im Ausland haben, ist die Besteuerung komplizierter und aufwändiger. Bei voll- oder teilthesaurierenden ETF/Fonds wird die Steuer von der Bank in der Jahresbescheinigung ausgewiesen. Diese Angaben müssen bei der Steuererklärung in der Anlage KAP mit angegeben werden. Diese Nachweise (Jahresbescheinigung und Steuerbescheid) muss man über viele Jahre hinweg – solange man den entsprechenden ETF im Depot hat – aufbewahren.

Denn bei einer späteren Veräußerung werden die gesamten angefallenen ausschüttungsgleichen Erträge besteuert. Die nun doppelt bezahlten Steuern erhält man nur dann zurück, wenn man nachweisen kann, diese ausschüttungsgleichen Erträge jedes Jahr in der Anlage KAP angegeben zu haben. Also zumindest die Besteuerungs- und Kaufunterlagen sollten lückenlos für jedes Jahr vorhanden sein.

Besteuerung von „intransparenten“ ETFs

Seit dem 01.01.2004 haben sämtliche inländische und ausländische Investmentgesellschaften die Verpflichtung, die für die Veranlagung der Anteilseigner notwendigen Besteuerungsgrundlagen nach § 5 InvStG im elektronischen Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Diejenigen, die dies nicht tun, gelten als intransparent.

Das bedeutet, dass Fonds, die nicht rechtzeitig alle notwendigen Angaben im elektronischen Bundesanzeiger gemacht haben, einer pauschalen Schätzungssteuer unterliegen. Diese Schätzungssteuer wird in den Jahresbescheinigungen über Kapitalerträge von den Banken angegeben.

Bei der Veräußerung zieht das deutsche Kreditinstitut in jedem Fall die Abgeltungssteuer ein.
1. Bei thesaurierenden intransparenten Fonds sind die jährlichen Erträge zu ermitteln und in der Steuererklärung anzugeben.
2. Bei Veräußerung ist der Veräußerungserlös um die bereits versteuerten Beträge (nicht ausgeschüttet) zu vermindern, da hier bereits eine Versteuerung stattgefunden hat.

Im Herbst 2014 wurde in einem neuen Gesetz des Europäischen Gerichtshof zur Pauschalbesteuerung von sogenannten intransparenten Fonds entschieden, dass die pauschale Besteuerung von Fonds rechtswidrig ist (Urteil Europäischer Gerichtshof, 2014).
Wenn der Anleger die tatsächlichen Einkünfte nachweisen kann, kommt die übliche Besteuerung zur Geltung. Der Nachweis kann mit folgenden Unterlagen erfolgen:

  • vom Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer oder einer vergleichbaren ausländischen Person oder Institution, dass die Besteuerungsgrundlagen nach den Regeln des deutschen Steuerrechts ermittelt hat,
  • den zum jeweiligen Geschäftsjahresende gültigen Verkaufsprospekt,
  • den zum jeweiligen Geschäftsjahresende gültigen Jahresbericht,
  • eine Summen- und Saldenliste aus der Fondsbuchhaltung,
  • eine Überleitungsrechnung, aus der hervorgeht, wie aus der investmentrechtlichen Rechnungslegung die Besteuerungsgrundlagen nach den Regeln des deutschen Steuerrechtes ermittelt wurden,
  • eine Anlage für die Gewinn- und Verlustvorträge bezogen auf die einzelnen Ertragsarten.

Da die Hürden des Nachweises sehr hoch und mit zusätzlichen Kosten verbunden sind, läuft die Umsetzung der Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs, meistens ins Leere. Es bleibt dann oft bei der Pauschalversteuerung.

Neue Besteuerung ab 2018

Ab 2018 soll eine neue Besteuerung von Investmentfonds erfolgen. Ein Gesetzesentwurf dazu ist in Bearbeitung.
Werden bisher die Erträge nicht auf Fondsebene, sondern erst beim Anleger besteuert, soll der Fiskus künftig auch bereits im Fonds selbst zugreifen – und beim Anleger erneut. Damit es bei den Sparern nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt, gibt es verschiedene Teilfreistellungen.

Damit will man erreichen, dass inländische und ausländische Investmentfonds gleich besteuert werden.
Sobald die Details feststehen, werde ich hier darüber berichten.

FAZIT:

Der deutsche Staat ist perfekt darin, die Besteuerung verschiedener Einkunftsarten kompliziert zu gestalten. So auch bei der Anlage in ausländische Produkte. Der Bürger, der sein Geld, ohne viel Aufwand zu betreiben, anlegen möchte, kann durch den steuerlichen Aufwand eine geringere Rendite auf die Nettobeträge betrachtet, einfahren. Die Anleger, die den Aufwand nicht scheuen, können sich ihr Geld wiederholen. Für alle anderen bleiben folgende Möglichkeiten:

  • nur in inländische Produkte bzw. von inländischen Anbietern ausgegebene Produkte investieren
  • sich dabei von einer Person ihres Vertrauens helfen lassen oder
  • die geringere Rendite in Kauf nehmen, da sie immer noch höher als Banksparanlagen ist .

Zum Weiterlesen:
Wie kann ich 20.000 EUR investieren?
Näher zum finanziellen Wohlstand Teil 1
Soll ich jetzt eine Immobilie kaufen?